Das postfaktische Zeitalter

Wir leben im postfaktischen Zeitalter:
Launen statt Objektivität, Gefühle statt Tatsachen, Lügen statt Wahrheit bestimmen unsere Welt.
Demokratien werden immer mehr zu einer Diktatur der leichtgläubigen Masse.
Die Wahrheit kommt aus dem Netz und nicht mehr von Bildung und logischem Denken.
Noch nie hat sich die Welt so weit von Wahrheit und Vernunft entfernt!

Bereits vor ca. 1500 Jahren traf Imam Ali Aussagen über die letzten Schlachten:
„Fürwahr, erwartet das, was nach Euren Angelegenheiten kommt, das Abschneiden Eurer Beziehungen und wie sich die Geringsten unter Euch an die Spitze stellen.
Das wird in einer Zeit sein, in der Ihr betrunken sein werdet, nicht von Wein, sondern von Wohlhabenheit und Annehmlichkeiten.
Ihr schwört ohne Notwendigkeit, und lügt, ohne dass Ihr bedrängt werdet.“

Besser kann man die heutige Zeit kaum beschreiben.
Man fühlt sich unweigerlich an den Erfolg der Populisten weltweit erinnert.
Aufkeimender Populismus ist ein charakteristisches Kennzeichen der postfaktischen Welt.

Im Jahr 2004 erschien das Buch The Post-Truth Era von Ralph Keyes. Lange war es ruhig um den Begriff „postfaktisches Zeitalter“, bis er 2016 mit den amerikanischen (und österreichischen)
Präsidentschaftswahlen ungeahnte Aktualität bekam.
Dieses postfaktische Zeitalter bezeichnet eine aktuelle Bedrohung, wie sie schlimmer nicht sein könnte:
Sie zerfrisst das Vertrauen, welches die Basis einer gesunden Gesellschaft darstellt.
Wenn genügend Menschen Fantasie als Wahrheit empfinden, verliert unsere Gesellschaft ihre Basis in der Wirklichkeit.
Verschwörungstheorien machen aus gutgläubigen Massen willige Untertanen psychophatischer Herrscher.
Wie (nicht nur) Nordkorea zeigt, hat diese Methode unvermeidlich Erfolg.
Leider zeigen sich auch westliche Politiker von der Wirksamkeit dieses Systems angetan.
Die Wirtschaft mit ihrer zum Teil verlogenen Werbung hat es vorgemacht. Nun nutzt auch die Politik das Mittel der Lüge ganz offen.
Es ist nicht lange her, da hatten Mächtige noch den Anstand, nach aufgedeckten Lügen zurückzutreten.
Diese Zeiten sind endgültig vorbei: Heute wird schon ganz unverfroren gelogen, um überhaupt erst an die Macht zu kommen! Das Unglaubliche daran: Es funktioniert!

Sascha Lobo sagte:“Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber niemand hat das Recht auf eigene Fakten.“ Er umschrieb postfaktische Politik als eine wahrheitsunabhängige Politik, in der Meinung und Tatsachen verschwimmen und in der ganz nebenbei die Errungenschaften der Aufklärung auf der Strecke blieben.
Dem kann man nur zustimmen.

Die zu erwartenden Auswirkungen dieser postfaktischen Politik sind katastrophal:
Die Demokratie, immer als einer der größten Werte des Westens dargestellt, führt sich selbst ad absurdum.
Wenn sich Bürger nicht mehr auf Fakten verlassen, sondern nur mehr auf geschürte Emotionen – wenn das Volk nur mehr das Internet, statt das Gehirn benutzt – wenn der Herdentrieb stärker ist,
als jede Vernunft, dann haben wir statt einer Demokratie, eine Diktatur der verblödeten Masse.
Das wird eine Eigendynamik entwickeln, die auch die Zündler und Lügner nicht mehr in den Griff bekommen. Die Vernünftigen werden keine Stimme mehr haben. Die Blödheit wird die Welt
regieren.
Das bedeutet geistige und materielle Armut und Krieg. Vielleicht sogar unseren endgültigen Untergang….

Und weil’s dazu passt, ein Artikel von Harald Walser: Die Taktik der europäischen Rechten

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